Besatzungszeit mit Licht und Schatten - Ausstellung des Geschichtsvereins

Wie facettenreich die zwölf Jahre andauernde Besatzung im heutigen Rheinland-Pfalz und damit auch in Nierstein war, davon konnten sich die zahlreichen Gäste bei der Eröffnung der neuen Ausstellung des Geschichtsvereins Nierstein in der Riesling-Galerie des Rathauses selbst ein Bild machen.

Dr. Ute Engelen vom Institut für Geschichtliche Landeskunde (IGL), das zusammen mit der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz die Wanderausstellung erstellt hatte, zeigte in ihrer anregenden Einführung anhand etlicher Beispiele aus privaten Quellen, dass es große Unterschiede bei der Wahrnehmung der Besatzung gab und, dass es durchaus Ansätze zur Versöhnung nach dem verheerenden Ersten Weltkrieg gegeben hatte. Aufgrund des Erlebten war das für die französischen Besatzungstruppen, die auch in Nierstein und Schwabsburg vor Ort waren, deutlich schwieriger als für die Amerikaner, die bis 1923 vor allem an der Mosel im Einsatz waren.

Hans-Peter Hexemer, 1. Vorsitzender des Geschichtsvereins, hob in seiner Begrüßung hervor, wie folgenreich die nationalsozialistische Propaganda dieses erste Bemühen um Frieden zwischen den sogenannten "Erbfeinden" bekämpfte und hintertrieb. Es habe erst der unsäglich vielen Opfer des Zweiten Weltkrieges bedurft, um schließlich Feindbilder und Hass abzubauen und die Basis für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen zu legen. Heute zeige sich in Putin Überfalls auf die Ukraine erneut, dass Krieg das Ende der Vernunft sei und nur zu Leid, Vertreibung und Tod führe.

Ergänzend zur attraktiv aufgemachten Wanderausstellung, hat Dr. Susanne Bräckelmann, 2. Vorsitzende des Vereins, Informationen aus örtlichen Quellen zusammengestellt, die sowohl aus privaten Sammlungen stammen als auch aus dem im Landesarchiv Speyer verwahrten Niersteiner Stadtarchiv. Die 62-seitige Lesemappe, die in der Riesling-Galerie ausliegt, soll, so hofft Bräckelmann, die Basis für weitere Forschungen zu diesem wichtigen Thema liefern. Wertvoll wären, bekräftigte auch Dr. Engelen, vor allem private Tagebücher, Briefe oder Fotos. Wenn hier Niersteiner und Schwabsburger in ihren privaten Unterlagen etwas finden sollten, würde sich der Geschichtsverein über weitere Informationen sehr freuen, betonte Bräckelmann. Ebenso darüber, wenn sich jemand bereitfände, dieses Thema für den Verein detaillierter aufzuarbeiten.

Ein besonderer Dank des Geschichtsvereins galt der Stadt Nierstein und Nadine Tänny-Frank, die den Ausstellungsraum vorbereitet und die Bewirtung der Gäste mit Wein und Wasser übernommen hatte. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. April während der Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen: Montag, Dienstag, Donnerstag 9-12.30 u. 14-18 Uhr, Freitag 9-12 Uhr.

Weitere Informationen unter
Internet: https://www.geschichtsverein-nierstein.de
E-Mail: mail@geschichtsverein-nierstein.de

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