Biber und Fischsterben

Biber und Fischsterben

Erneut wurde der Biber fälschlich als Mitschuldiger am Tod zahlreicher Fische und Krebse ausgemacht. Dieses Mal am Rande des Naturschutzgebietes Taubensemd bei Semd. Die beiden Kreisverbände des NABU (Naturschutzbund Deutschland) und HGON (Hess. Gesellschaft f. Ornithologie u. Naturschutz) kritisieren, dass widerrechtlich ein Biberdamm teilweise beseitigt wurde, um den ehemaligen Fischteich mit Wasser zu speisen – ohne Erfolg. Erreicht wurde lediglich, dass jetzt auch die letzten Wasserbewohner ihren Zufluchtsort im Bibersee weitgehend verloren haben. Der Sprecher des Arbeitskreises Dieburg der HGON, Dr. Wolfgang Heimer verweist darauf, dass auch zahlreiche andere Fließgewässer, Teiche und Feuchtgebiete durch die anhaltende Trockenheit in Verbindung mit außergewöhnlich hohen Temperaturen ausgetrocknet sind oder nur noch Restwasser führen – alles Dürrefolgen ohne jegliche Beteiligung von Bibern. Sogar große Feuchtgebiete wie das Hehnes oder die Hergershäuser Wiesen leiden unter dem Wassermangel. Unsere Wälder sterben allmählich dahin, Obstbäume hauchen ihr Leben aus und das Umweltbundesamt warnt vor Streitigkeiten um das kostbare Gut "Wasser" – und das ohne den "bösen" Biber.

Dr. Lothar Jacob, der Vorsitzende des NABU Kreisverbandes Dieburg ergänzt, dass neben den zumindest teilweise menschgemachten Auswirkungen des Klimawandels der Wasserhaushalt unserer Landschaft über Jahrzehnte aus den Fugen gebracht worden ist. Im letzten Jahrhundert wurden unsere Bäche und Flüsse begradigt, Entwässerungsgräben gezogen und die Landschaft großräumig drainiert - einzig mit dem Ziel, das Wasser möglichst rasch wegzubringen. Gleichzeitig haben wir auf dem Opfertisch des "Wachstumswahnsinnes" kontinuierlich Flächen versiegelt und das Oberflächenwasser der Kanalisation zugeführt. Bevölkerungszunahme und gesteigerter Wohlstand haben den Wasserverbrauch in die Höhe getrieben, die Zunahme des Wasserbrauches in der Landwirtschaft und auch in den privaten Gärten kommt hinzu. Fehlende Grundwasserneubildung durch das schnelle Abführen von Wasser und die nicht erreichte Reduzierung der Flächenversieglung bei gleichzeitig höherem Wasserbedarf führen seit vielen Jahren zu nahezu kontinuierlich sinkenden Grundwasserspiegeln und damit zum schleichenden Versiegen von Quellen, die unsere Gewässer zuverlässig mit Wasser versorgen. Auch beim Bau von Kanalisation und Kläranlagen wurden Fehler gemacht.

Statt die Ursachen zu bekämpfen, für die wir Menschen zumindest teilweise verantwortlich sind, verweisen einige Zeitgenossen auf den Biber als Schuldigen. Es wäre aber an der Zeit, Neuversiegelungen zu vermeiden und neue "Wasserspeicher" in Form von Feuchtgebieten, Rückhaltemaßnahmen, teilweisen Rückbau von Entwässerungsgräben und Drainagen sowie Aufforstungen zu schaffen . Ein engagiertes Einschreiten der politisch Verantwortlichen ist längst überfällig. Wir brauchen endlich einen nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Weitere Informationen unter
Telefon: 06071 44945
Internet: http://www.nabu-kv-dieburg.de
E-Mail: j0607144945@t-online.de

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