Boden ist mehr als nur Grund: Gedanken zum Weltbodentag am 5.12.2020

Wissen Sie, wieviel Leben Sie täglich mit Füßen treten? Damit sind die im Boden lebenden Organismen gemeint, das sogenannte Edaphon. Dieses Edaphon, eine Gemeinschaft aus Bakterien, Pilzen, Einzellern, Springschwänzen, Asseln und natürlich Regenwürmern, ist entscheidend für die Fruchtbarkeit eines Bodens. Sie machen Mineralstoffe pflanzenverfügbar, halten Nährstoffe im Boden, zersetzen organischen Abfall und wandeln ihn in wertvollen Humus um, filtern Schadstoffe aus dem Boden und sind selbst wiederum Nahrung für andere Bodenlebewesen.

Für Jean Sebastien Larro, Diplom-Geograph mit den Schwerpunkten Bodenkunde, Hydrologie und Klimatologie, ist der rheinhessische Boden ein Schatz: "Der ertragfähigste Boden, der sogenannte 100er Boden, wurde unter anderem in unserer Region gefunden. Diesen Schatz gilt es zu bewahren!" Die landwirtschaftliche Praxis der letzten Jahrzehnte sieht bis heute leider häufig anders aus. Der wertvolle Löss wird von kahlen Äckern nach der Ernte über Landstraßen verweht. Hecken fehlen, die dies verhindern könnten. Böden werden mit sogenannter Muttererde aufgeschüttet, um Erosion auszugleichen oder Bodenwellen zu glätten. Schwere landwirtschaftliche Maschinen verdichten den Boden und nehmen den Bodenlebewesen die Luft zum Atmen. Überdüngung stört das empfindliche Gleichgewicht im Edaphon, Nährstoffe werden ins Grundwasser ausgewaschen.

"Viele Landwirte haben inzwischen den Wert des Bodenlebens erkannt"

Diese Liste ließe sich noch weiterführen. Doch schon jetzt ist klar: Hier braucht es ein Umdenken. Jean Sebastien Larro: "Viele Landwirte haben inzwischen den Wert des Bodenlebens erkannt. Sie sorgen zum Beispiel mit Gründüngung für Nahrung für die Bodenlebewesen. Zusätzlich bauen diese Pflanzen Humus auf und verankern mit ihren Wurzeln den Boden, damit er nicht verweht werden kann. Humus stabilisiert den Boden und verändert außerdem das Wasserhaltevermögen und damit den Wasserhaushalt im Boden. Biobauern konnten mit ihren Kulturen die letzten Dürrejahre zum Teil besser überstehen als konventionelle Landwirte, weil sie nach einem anderen Konzept arbeiten. In diese Richtung müssen wir angesichts der Folgen des Klimawandels denken."

Und auch für den Klimawandel selbst bietet der Boden Lösungen. Im Boden lässt sich CO2 binden, zum Beispiel durch Humusaufbau oder durch den Einsatz von Terra Preta. Interessante Projekte und gute Beispiele dafür gibt es bereits, auch in unserer Region.

Weitere Informationen unter
Internet: https://www.larro.de
E-Mail: info@larro.de

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