Die aktuelle Arbeit des Wiesbadener Vereins "Angekommen" für Geflüchtete

"Wann in Deutschland kann ich bleiben, ich will", sagt Olesia Obdenova.

Mit ihrer Tochter ist sie kurz nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine aus ihrer Heimat geflohen – zunächst zu Verwandten aufs Land, dann über Tschechien nach Deutschland. Bekannte in Wiesbaden haben sie aufgenommen. In Kiew hat Olesia Englisch und Literatur studiert, anschließend als Lehrerin gearbeitet. Von der Hilfsbereitschaft hier ist sie überwältigt. "Viele deutschen Leute helfen mir. Viele deutsche Leute geben mir Essen und Kleidung. Ich habe nur zwei Rucksäcke für diese Reise. Alle Sachen geben mir deutsche Leute. Ich sage jeden Tag Dankeschön". Auf ihre Tochter ist Olesia stolz: "Sie lernt Deutsch und die Lehrerin sagt jeden Tag super, du bist fleißig". Auch Olesia selbst ist hoch motiviert, denn sie möchte "die deutsche Sprache lernen und als Lehrerin arbeiten": In Deutschland.

Olesia ist eine von 400 Flüchtlingen, die sich beim Verein Angekommen Wiesbaden e.V. zu einem Deutschkurs angemeldet haben – fast alles Frauen.

Eine große Herausforderung für das Ehrenamtsprojekt nach zwei Jahren Corona-Beschränkungen. Vor allem ältere Lehrkräfte hatten sich in dieser Zeit zurückgezogen.

Doch allen, die den Wunsch haben, unsere Sprache zu lernen, möchte Angekommen eine Chance geben. Aber wie befriedigt man eine solch plötzlich entstandene riesige Nachfrage? Wie findet man schnell viele Lehrkräfte, wo sind die geeigneten zusätzlichen Räume, welche Teams passen zueinander? In den letzten Monaten war viel Organisationstalent gefragt. Dadurch gelang es in nur wenigen Wochen, 26 neue Kurse einzurichten, vor allem Anfängerkurse. Möglich wurde dies, weil die Hilfsbereitschaft so groß wie nie zuvor ist und viele bereit sind, sich dauerhaft zu engagieren. Und auch die Rahmenbedingungen der Stadt haben rasche Hilfe ermöglicht.

2019 entschied die Stadt, die Sprachkurse des Vereins zum Teil des kommunalen Sprachförderkonzepts werden zu lassen. Dadurch wurde das Engagement verstetigt, obwohl zu dieser Zeit der Zuzug von Geflüchteten nachgelassen hatte. Weil die Stadt ehrenamtliche Strukturen gefördert und erhalten hatte, konnte man sehr schnell reagieren.

Aktuell bietet Angekommen 59 Deutschkurse an, von Alphabetisierung bis B1. Die Teilnehmenden kommen aus 77 Nationen.

Doch es soll nicht verschwiegen werden: Teilnehmende aus Ländern wie Afghanistan oder Syrien, wo seit vielen Jahren Krieg herrscht und die sich ebenfalls um ihre Angehörigen dort sorgen, sind bisweilen irritiert über die Privilegien, die ukrainische Flüchtlinge genießen, z.B. direkte Arbeitserlaubnis, keine Wohnsitzauflage, baldiger Integrationskurs. Dabei versteht niemand besser als sie, was die ukrainischen Flüchtlinge erlebt haben.

Nach wenigen Wochen haben einige Kursteilnehmerinnen aus der Ukraine die BAMF- Integrationskurse begonnen, so werden Plätze bei Angekommen nach und nach frei. Dass der Bedarf aber nachlässt, ist nicht zu erwarten. Denn es gibt noch sehr viel zu tun.

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