Fleischkonsum und Klimaschutz: "Jeder kann etwas beitragen"

Die Domäne Mechthildshausen in Erbenheim ist ein Bioland Betrieb und der landwirtschaftliche Teil der Wiesbadener Jugendwerkstatt gGmbH (WJW). Da Teile des Betriebs derzeit umstrukturiert werden, wird die Zahl der Rindern bis August dieses Jahres auf 120 Tiere reduziert - zur Hälfte Milchkühe, zur Hälfte Rinder. Im Schweinemastbetrieb sind 600 Schweine. Die Geflügelställe werden derzeit umgebaut.

Geschäftsführer Werner Backes spricht im Interview über Tierwohl, Fleischverarbeitung und die Auswirkungen auf den Klimawandel:

Die Fleischproduktion trägt erheblich zum CO2-Ausstoß bei. Was trägt ein kleiner Bio-Betrieb wie Ihrer zum Klimaschutz bei?

Werner Backes: Unsere Tiere werden überwiegend vor Ort im eigenen Betrieb geschlachtet, das Fleisch wird in der eigenen Metzgerei verarbeitet und direkt verkauft oder in unserer Gastronomie verwendet. Das heißt: Wir müssen weder Tiere noch Fleisch transportieren. Hinzu kommt, dass wir einen Großteil der Futtermittel selbst anbauen oder Heu von regionalen Bauern kaufen. Für unsere Tiere werde keine Regenwälder abgeholzt, auf denen etwa Soja für Futter wächst.

Dass man Tiere und Ställe sehen kann, ist Teil ihres Konzeptes. Trägt die Entfremdung vom Tier zum hohen Fleischkonsum bei?

Das ist sicherlich ein Aspekt, und wir sind froh, dass wir es oft erleben, dass Eltern ihren Kindern auf unserem Gelände genau das erklären und zeigen. Darüber hinaus merken wir bei unserem Bio-Fleischverkauf immer einen deutlich höheren Umsatz, wenn die Medien über sogenannte Fleischskandale berichten. Leider können wir die Kundinnen und Kunden, die wir dadurch neu gewinnen, oft nicht lange halten. Verschwindet das Thema aus den Medien, geht der Umsatz wieder auf den Durchschnittswert zurück.

Welche Rolle spielt der Verbraucher?

Eine große. Mir liegt es fern, Fleischessen zu einer sozialen Frage zu machen, aber viele Verbraucher sind eben leider nicht bereit, den wirklichen Wert des Lebensmittels Fleisch zu bezahlen. Dieser gesamte Prozess – Aufzucht, Schlachtung, Verarbeitung und Verkauf –, den wir komplett selbst machen, ist bei uns echte Handarbeit - und eben aufwendig und kostspielig.

Es ist auch eine gesellschaftliche Aufgabe, darüber aufzuklären, damit man sich nicht an niedrige Fleischpreise gewöhnt. Solange zu Lasten des Tierwohls Dumpingreise für Fleisch möglich sind, ist das schwierig. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sie etwas beitragen können zum Tierwohl und zum Klimawandel: Jeder sollte entscheiden, ob es jeden Tag Fleisch zum Essen geben soll.

Was wünschen Sie sich von der Politik?

Strengere Vorgaben zur Tierhaltung, verursachergerechte Preise in der Erzeugung, konsequente Förderung von Biohöfen, konsequente Markierung von Fleischprodukten mit einem Hinweis, wie die Tiere gehalten worden sind ("Tierwohl-Ampel").

Das Interview ist Teil der Aktion "Klimafasten": www.dekanat-wiesbaden.de/angebote/gesellschaftliche-verantwortung/klimafasten-2021.html

Weitere Informationen unter
E-Mail: andrea.wagenknecht@ekhn.de

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