Fotografie wohnungslos I & II: Bilder von Uwe Grellneth im Haus St. Martin

Kann es Kunst geben, die gleichzeitig verstörend, kalte Realität darstellend, beeindruckend und aber auch poetisch und sogar "schön" ist? Die eine Sprache spricht, von der sich der Verstand nicht abwenden kann, auch wenn er solche Dinge vielleicht lieber gar nicht wahrnehmen würde?

Die Fotografien des Frankfurter Künstlers Uwe Grellneth, schaffen das.

Bei der Motivsuche hatte Grellneth gesehen, dass mitten in der Stadt viele Menschen ohne Obdach leben. Sich erinnernd berichtet er von einem Bild, welches sich "in seinen Kopf eingebrannt" hat: "In einem Brunnen standen Männer mit nacktem Oberkörper und haben sich mit Seife gewaschen." Die Passanten, die um den Brunnen herum gingen, taten so, als ob sie nichts sehen. "Das konnte ich nicht fotografieren, ich wollte auch gar nicht hingucken" erinnert Grellneth sich, "aber ich konnte auch nicht weggucken." Ihn ließ der Gedanke daran, dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, die ihre Morgentoilette öffentlich verrichten müssen, nicht mehr los. "Mich hat das spannende Verhältnis zwischen privatem und öffentlichem Raum interessiert" berichtet er, weshalb er begann, Schlafplätze von Obdachlosen zu fotografieren.

Seine Bilder zeigen nun, wie Obdachlose nachts ihren Besitz sichern ("das geht bis zu mit einer Schnur an der Mütze gesicherten Schuhen"), oder sie zeigen selbstgebaute "Hütten", welche an die "Höhlen" erinnern, die Kinder beim Spielen unter dem Tisch in ihrem Zuhause bauen. Schlafplätze neben Mülltonnen oder hinter einem mit Habseligkeiten vollgeladenen Einkaufswagen lassen die Verzweiflung ahnen, mit der manche Menschen durch ihr Leben gehen. Obwohl war es dem Künstler nicht mehr genug war, "nur schöne Bilder zu machen", habe er nicht "alles" im Bild festhalten wollen: "Manche Dinge sind einfach doch zu hart."

Uwe Grellneth hat seine Bilder künstlerisch so bearbeitet, dass man zwar deutlich spürt, wie unmöglich es den Obdachlosen ist, ihre Privatsphäre zu wahren, man aber auch den Respekt deutlich wahrnimmt, den der Künstler ihnen entgegenbringt. Grellneth hat die Kontraste in unserer Gesellschaft damit dokumentiert und hervorgehoben: schutzlos der Öffentlichkeit ausgesetzte Menschen neben einem Schaufenster mit hochpreisigen Möbeln in , unter einer schlichten Decke an der mit einem bunten Regenbogen geschmückten Fassade, wie "gekreuzigt" auf dem Pflaster der Zeil oder unter einem großen roten Herzen, welches aber nicht ihnen gilt.

Klaus Störch, Leiter des Hauses St. Martin in Hattersheim, ist froh, die Bilder von Uwe Grellneth zeigen zu können. Grellneth selbst freut sich sehr über das Interesse, welches seinen Werken entgegengebracht wird. "Diese speziellen Bilder werden hier an der richtigen Stelle gezeigt, sie gehören in keine Glanzgalerie!" findet er.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Hauses St. Martin in der Frankfurter Straße 43, 65795 Hattersheim immer montags - freitags von 9.00 bis 11.30 Uhr besichtigen.

Um telefonische Anmeldung unter 06190-935712 wird gebeten.

Weitere Informationen unter
Telefon: 06190 935712
Internet: http://www.caritas-main-taunus.de
E-Mail: oeffentlichkeitsarbeit@caritas-main-taunus.de

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