Gedanken zu Hanau

"Einsame Wölfe". Dieser Begriff wurde für die "Einzeltäter" erfunden, die immer auftauchen, wenn Morde von rechts begangen werden, vorwiegend mit rassistischen, ausländerfeindlichen Motiven. Organisation, Strukturen, Verschwörungen gar? Aber nein. So etwas gibt es doch nur von links. Rechte, rassistische Gewalttaten sind nie organisiert, haben keine Hintermänner, keine politische Vorbereitung.

Der Massenmord in Norwegen an jungen Sozialisten, die Attentate in Kassel, München, Berlin und anderswo: Stets der einsame Wolf, ein Verrückter, der "nicht alle Tassen im Schrank hat", der ein "krudes Weltbild" besitzt, von dem man sich nicht vorstellen kann, wo er es her hat. Auf keinen Fall von den allgegenwärtigen einschlägigen Haßseiten der Neonazis. Deshalb kann man da nichts machen. Und das schlimme ist: Das alles ist weder neu noch originell. Schon die Weimarer Republik kannte das.

In den Anfangsjahren der Republik, bis 1922, wurden von rechtsextremen Gruppen 314 Morde verübt, darunter an so bekannten Sozialisten wie Rosa Luxemburg ,Karl Liebknecht und Kurt Eisner, aber auch an bürgerlichen Politikern, die sich zur Demokratie bekannten wie Matthias Erzberger und Walter Rathenau. Für diese Morde wurden insgesamt 31 Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe verhängt, sowie einmal lebenslange Festungshaft (eine damals übliche "ehrenvolle" Haftstrafe unter leichteren Bedingungen) von der aber nur wenige Jahre verbüßt wurden. Dem stehen 13 von Linksextremisten begangene Morde gegenüber, für die deutsche Gerichte acht mal die Todesstrafe verhängten, sowie Freiheitsstrafen von 176 Jahren und zehn Monaten. Diese Justiz war nicht nur "auf dem rechten Auge blind" wie es so schön heißt, sie war darüber hinaus eine reine Willkür- und Klassenjustiz.

Der Schriftsteller Kurt Tucholsky hat das damals unermüdlich angeprangert:

"Der deutsche politische Mord der letzten vier Jahre ist schematisch und straff organisiert. […] Alles steht von vornherein fest: Anstiftung durch unbekannte Geldgeber, die Tat (stets von hinten), schludrige Untersuchung, faule Ausreden, ein paar Phrasen, jämmerliches Kneifertum, milde Strafen, Strafaufschub, Vergünstigungen – "Weitermachen!"

Und heute? Sicher – es gibt ein paar positive Entwicklungen, Verbesserungen. Der Zeitgeist hat sich gewandelt, Minister und Präsidenten halten nach rechten Attentaten Reden, versichern ihre Solidarität mit den ausländischen Mitbürgern. Aber Taten? Die Presse berichtet ständig von Vorfällen, die darauf schließen lassen, dass Polizei, Bundeswehr und Geheimdienste noch immer von Neonazis durchsetzt sind. Daran ändert sich – trotz gelegentlicher Aufwallungen – nichts.

Das alles ist eine Ermunterung. Und der nächste "einsame Wolf" steht wahrscheinlich schon bereit.

Weitere Informationen unter
Telefon: 0172 1487182
E-Mail: ajarndt@t-online.de

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