Geschichtsvereine: Vortrag zur Flottenpropaganda im Kaiserreich

Die Geschichtsvereine Nierstein und Oppenheim empfingen rund 70 historisch interessierte Gäste bei ihrer gemeinsamen Vortragsveranstaltung mit Bernd Ellerbrock am 16. September im Weingut Guntrum in Nierstein.

Ellerbrock, Autor und Fotograf, beleuchtete ein spektakuläres Ereignis aus dem Jahr 1900: eine Propagandafahrt von Torpedobooten auf dem "deutschen Rhein", die die Aufrüstung der wilhelminischen Marine unterstützen sollte. Er hat diese ungewöhnliche Aktion detailliert aufbereitet und mitreißend vorgetragen. Ein kürzlich von ihm erschienenes Buch "Schwarze Gesellen auf dem Rhein – Flottenagitprop anno 1900" erzählt neben der Aneinanderreihung lokaler Gegebenheiten auch die Vorgeschichte und Hintergründe.

Tief ins Binnenland – von Emmerich nach Karlsruhe und zurück – führte die Fahrt der Flotte auf dem Rhein. Neben vielen Stationen auf den 1000 Kilometern fand der "Hurrapatriotismus" auch hier vor der Haustür statt, als die Torpedoflotte an der Fähranlegestelle in Nierstein, der damaligen Oppenheimer fahrt, anlandete. Auch hier wurde die Flotte von der marinebegeisterten Menge und den örtlichen Honorationen enthusiastisch empfangen.

Gespickt war Ellerbrocks Vortrag mit vielen Bildern, Illustrationen, Karten, Zitaten und Anekdoten, so dass er bei aller wissenschaftlichen Genauigkeit ein farbiges Sittengemälde des Kaiserreichs um 1900 ergab. Letztendlich machte er aber deutlich, dass die Flottenpropaganda, ein einmaliges Marketing-Spektakel, das unterhaltsam daherkam, später zur maßlosen Militarisierung im Deutschen Reich beitrug.

Das Thema bot den Gästen in Nachhinein viel Gesprächsstoff, gerade auch in Bezug auf die heutige Zeit.

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