Mehr Scheidungs- und Familienberatung in Corona-Zeiten

Mehr Zeit für die Familie und den Partner – wer wünschte sich das vor Corona nicht? Nach den Corona-Lockdowns zeigt sich bei vielen Familien und Paaren das Gegenteil: die erzwungen räumlichen und sozialen Beschränkungen auf die Familie und den Partner mit Doppel- und Dreifachbelastung durch Homeschooling, Kinderbetreuung und Homeoffice, bringt großes Konfliktpotential mit sich. Das zeigt auch der Jahresbericht 2020 der Evangelischen Psychologischen Beratungsstelle (epb) Mainz-Bingen. Deutlich mehr Paare als in den Jahren zuvor suchten in Mainz das Gespräch zu Trennungs- und Sorgerechtsfragen.

"Die Corona-Krise stellt viele Familien und Partnerschaften vor große Herausforderungen", erklärt Olaf Jacobsen-Vollmer, Leiter der epb, "Fehlende Kinderbetreuung, Einschränkungen im Alltag und ungewohnte Tagesabläufe sowie Unsicherheit sorgen für zusätzliche Spannung." Familien und Paarbeziehungen gerieten dadurch an ihre Grenzen. "Wenn dann noch Zukunftsängste, finanzielle Sorgen, Kurzarbeit oder Verlust des Arbeitsplatzes hinzukommen, wird sich der Stress weiter verstärken bis hin zu häufigerem Streit, Aggressionen oder sogar zu Gewaltausbrüchen", berichtet Jacobsen-Vollmer. Mit der professionellen Hilfe der ebp, die jeder kostenlos in Anspruch nehmen kann, gelang es vielen Paaren die Konflikte aufzuarbeiten oder auch eine Trennung in Einigung zu vollziehen.

Neben der Paarberatung wurde auch die Erziehungsberatung der epb stark in Anspruch genommen. Nach der Wieder-Öffnung von Kitas und Schulen im Sommer 2020 stiegen die Anfragen von Eltern und Fachkräften, wenn Kinder und Jugendliche den Kita- oder Schulbesuch verweigerten. Häufige Anmeldegründe waren depressives Verhalten, sozialer Rückzug oder vermehrte Aggressionen im Kitaalltag. Bei jugendlichen Schülern war ein vermehrtes Thema die Einsamkeit, da sie sich zur Freundesgruppe nicht mehr zugehörig oder sich abgelehnt fühlten. "Es war und ist wichtig, Kinder und Jugendliche in solch einer Situation zu begleiten", erklärt Jacobsen-Vollmer, "Sonst kann sich der soziale Rückzug zu einer hohen psychosozialen Belastung ausweiteten."

Wer Hilfe benötigt kann sich an die Evangelische Psychologische Beratungsstelle unter der Telefon 06131–965540 wenden.

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