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65183 WIESBADEN

"NeW" Beratungsstelle für traumatisierte Geflüchtete fürchtet um Existenz

Von Ellen Gräff

Fluchterfahrungen können Menschen traumatisiert zurücklassen. Wer in Deutschland angekommen ist, braucht mehr als ein Dach über dem Kopf: Niedrigschwellige Beratung und oft auch Therapie. Seit Mai 2017 bietet die Werkgemeinschaft e.V. (WRW) für diese spezielle Zielgruppe die Beratungsstelle "NeW Wiesbaden – Neue Wege" unter dem Dach des Psychosozialen Zentrums Süd (PSZ) und mit Förderung der "Aktion Mensch". Diese Förderung läuft nach drei Jahren nun aus.

Doch der Bedarf, so Ellen Gräff, Leiterin des PSZ, ist nicht geringer geworden. Die Flüchtlingszahlen sinken zwar, doch bei vielen machen sich die Folgen erst zeitversetzt bemerkbar. In den vergangenen drei Jahren hat das Team von NeW insgesamt 172 Menschen beraten. Aktuell sind noch fast 100 Menschen in Beratung, durchschnittlich zwei Neuanfragen pro Woche gibt es, die auf eine Warteliste gesetzt werden.

Das multikulturelle, von Übersetzern und Ehrenamtlichen unterstützte Team besteht aus drei Fachleuten mit insgesamt 50 Wochenstunden. Sie bieten den Klienten, die von verschiedenen Stellen zu NeW kommen, in der Bahnhofstraße 36 Einzelgespräche in geschütztem Rahmen an. Weitere Angebote der WRW wie das Kreativatelier "Bunte Reiter", Deutschkurse oder Bewegungsgruppen können genutzt werden.

Die Angebote sind kostenlos. "Vielen Menschen ist häufig nicht bewusst, wie ihr Zustand mit Erlebnissen aus der Vergangenheit zusammenhängt", weiß Ellen Gräff. "Die Aufklärung darüber hilft, Unsicherheiten abzubauen. Es ist wichtig für die Betroffenen, zu verstehen, warum es ihnen nicht gut geht und sie ihren Alltag nicht bewältigen können".

Die Beratungsstelle leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Integration. Darüber sind sich auch alle der zahlreichen Partnerinstitutionen in der Stadt einig. Doch im neuen städtischen Haushalt hat die so dringend gewünschte Regelfinanzierung der NeW bislang keinen Platz gefunden. "Wenn dies nicht noch nachgebessert wird, müssen wir die Beratungsstelle schließen", macht Ellen Gräff deutlich. Dabei wäre nicht nur die weiterführende Beratung aktueller und neuer Klienten von dringender Wichtigkeit, sondern auch perspektivische neue Aufgaben müssten wahrgenommen werden: Psychosoziale Angebote für junge Erwachsene, eine Abendsprechstunde für Berufstätige oder auch Aufklärungsarbeit in Schulen und Jugendzentren über das Leben geflüchteter Menschen in Deutschland sind Ideen, die bereits angedacht wurden.

Am wichtigsten ist jedoch der niedrigschwellige Ansatz zur Stabilisierung und Traumabearbeitung, sagt Ellen Gräff. Kontakt kann ohne Terminvereinbarung und ungeachtet des aktuellen Aufenthaltsstatus aufgenommen werden, es gibt keine Voraussetzungen, keine Kosten – für viele ein echter Rettungsanker. Darum appellieren die Mitarbeiter der WRW an die Kommunalpolitik, das Angebot als essenziellen Baustein der Flüchtlingshilfe unbedingt in die Regelfinanzierung aufzunehmen. Wer NeW unterstützen möchte, kann gerne Kontakt aufnehmen: 0611 / 690 70 43 oder info@new-wiesbaden.de

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