Wort zum Sonntag

Noch drei Wochen üben

Ja, liebe Edda, ich bin dabei: Üben! 7 Wochen ohne Stillstand. Ich übe schon seit Wochen. Um genauer zu sein: seit mein letztes Wort zum Sonntag erschienen ist, das ich zur Jahreslosung geschrieben hatte. Darin gab es einen veritablen theologischen Fehler. Völlig unerwartet hatte mich jemand darauf aufmerksam gemacht. Schreck lass nach! Wie peinlich. Ob es sonst noch jemand gemerkt hat, ohne mich darauf anzusprechen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls übe ich mich seitdem bewusst in Nachsichtigkeit mit mir selbst. Ich übe mich darin, nicht in Scham steckenzubleiben. Ich übe mich darin, mich nicht selbst zu beschimpfen. Ich übe mich darin, meine Fehler mit Humor zu nehmen. Ich übe mich darin, in der Selbstliebe zu bleiben. Ich übe mich in Selbstachtung.

Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Scham ist ein starkes Gefühl und die Selbstbeschimpfung hat einen Automatismus, der nur schwer zu durchbrechen ist. "Was sollen die Leute denken?" Eine kurze Frage, die unscheinbar daherkommt und doch sehr viel Einfluss hat auf mein Denken und Handeln. Wer kennt das nicht, dass wir uns Bewertungen von außen unterwerfen? Was denkt diese oder jener, wenn ich mich so oder so verhalte, diese oder jene Kleidung trage, zu laut lache, in der Öffentlichkeit weine, nach Herrn Hengers Orgelspielnachspiel vor Begeisterung laut in die Hände klatsche? Was würden die Leute wohl denken, wenn ich nach einer anrührenden, mitreißenden Predigt in Beifall ausbräche?

Es gibt so viele ungeschriebene Regeln in unserer Gesellschaft und da sie ungeschrieben sind, weiß ich gar nicht, ob sie tatsächlich Gültigkeit haben. Oder ob die wertenden Regeln nur in meinem Kopf stattfinden. "Das macht man nicht!", habe ich in meiner Kindheit oft zu hören bekommen. Sie auch? Frauen sitzen nicht breitbeinig, um nur ein Beispiel zu nennen. Dabei ist breitbeiniges Sitzen auf jeden Fall gesünder als das Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen.

Ungeschriebene Regeln und Bewertungen können uns ganz schön auf Trab halten und uns darin behindern, mit uns selbst im Reinen und im inneren Frieden zu sein. Doch -und das wiederhole ich gebetsmühlenartig- ich halte den eigenen inneren Frieden für unabdingbar. Wenn ich mit mir in Frieden lebe, dann kann ich das auch mit meinem Gegenüber. Nun, ich übe und übe und übe… Wohl über die noch verbleibenden 3 Wochen hinaus. Das bedeutet auch, nicht stillzustehen, in Bewegung zu bleiben, im eigenen Wachstum, in der eigenen Weiterentwicklung.

Begleiten lasse ich mich während der Fastenzeit vom Fastenwegweiser wandeln. Darüber hinaus erinnere ich mich immer wieder an Psalm 139, Vers 14: "Ich danke dir, HERR, dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele." Das tut gut. Ich spüre, wie ein Lächeln entsteht, wie ich durchatmen kann, wie ich nachsichtig werde mit mir selbst und den oben erwähnten Fehler mit einem Achselzucken gelassen da sein lassen kann.

Ich übe…

Bianca Ferse

Evangelische Kirchengemeinde

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Telefon: 06146 9071170
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